Zu eng für die Feuerwehr

Zu eng für die Feuerwehr

Zu eng für die Feuerwehr
Einsatzkräfte kritisieren, dass parkende Autos die Rettungswege versperren
Immer mehr Autos in den Wohngebieten machen es der Feuerwehr schwer, zum Einsatzort zu gelangen. Halter, deren Wagen den Weg versperren, müssen mit Konsequenzen rechnen.
Von Kerstin Siegmund und Dirk Wirausky
Feuerwehrmann Dirk Vetter bugsiert als Einweiser die Drehleiter an parkenden Fahrzeugen vorbei. Fahrer Heinz Horsch muss häufig Millimeter- arbeit leisten. Siegmund (2)

Ronnenberg/Gehrden. Der Kellerbrand in Benthe am vergangenen Sonnabend – laut Polizei ausgelöst von einem technischen Defekt an einem Wäschetrockner – ist glimpflich verlaufen. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. Ein zwölfjähriger Junge konnte unverletzt aus dem verqualmten Haus gerettet werden. Der Einsatz war Routine für die Retter.

Was bleibt, ist die Sorge, dass der Leiterwagen der Feuerwehr nicht rechtzeitig am Brandort sein kann, weil parkende Fahrzeuge den Weg versperren. Dieses Problem kennt jede Feuerwehr. „Es gibt in den Wohngebieten immer mehr Fahrzeuge. Hinzu kommen Schaulustige, die mit dem Auto kommen“, sagt Ronnenbergs Stadtbrandmeister Jörg Tadje. „Die Leute denken nicht daran, dass wir für die Drehleiter eine Schneise von mindestens 3,50 Meter benötigen sowie eine Aufstellfläche von vier mal zwölf Meter.“

Millimeterarbeit muss Heinz Horsch leisten, wenn er den Leiterwagen der Ronnenberger Feuerwehr durch enge Wohnstraßen bugsiert. Davon konnte sich Redakteurin Kerstin Siegmund gestern bei einer Probefahrt in der Robert-Weise-Straße in Empelde überzeugen. „Besonders schlimm ist es nach Feierabend, wenn die Autos beidseitig am Straßenrand stehen“, sagt Dirk Vetter, der als Einweiser im Einsatz war. Wenn Eile geboten sei, werde das Auto aus dem Weg geschoben. Sollte es bei einer Einsatzfahrt zu Schäden kommen, tritt die Versicherung der Stadt ein. Ein Halter, dessen Fahrzeug der Feuerwehr die Zufahrt blockiert, müsse mit Konsequenzen rechnen, sagt Gehrdens Fachbereichsleiter Frank Born – im Extremfall auch mit rechtlichen. Dabei werden von den Autofahrern lediglich Weitsicht, Rücksicht und Mitdenken verlangt. Doch wirklich in den Griff bekommt auch die Stadt Gehrden das Problem nicht. „Wir kennen zwar die neuralgischen Punkte in den engen Straßen und klären auf, wo die Beschilderung nicht eindeutig ist“, sagt Born. Doch der Effekt sei meist nur von kurzer Dauer. Ronnenberg schreibt laut Fachbereichsleiter Wolfgang Zehler die Anwohner jener Straßen an, in denen es konstant Probleme gibt.

Calenberger Zeitung vom 09.06.2015