Rettungsleitstelle kostet 50 Millionen

Der Neubau der gemeinsamen Leitstelle von Polizei und Feuerwehr wird teurer als bisher erwartet. Statt bis zu 15 Millionen Euro, wie noch 2012 geschätzt wurde, ist jetzt bereits von Baukosten in Höhe von etwa 20 Millionen Euro die Rede. Hinzu kommen etwa 30 Millionen Euro für Leitstellentechnik, an der sich Land und Region beteiligen müssen.

Weil die Stadt für ihren Anteil aber nicht genug Geld hat, prüft sie jetzt, ob sie einen Investor mit Bau und Finanzierung beauftragen kann. Eine echte Alternative ist offenbar nicht vorhanden. „Einen Plan-B haben wir nicht“, sagte Stefan Bär, Finanzchef im Gebäudemanagement, jetzt auf Nachfrage von Kommunalpolitikern im Bezirksrat Nord. Das Projekt wäre ambitioniert und landesweit einmalig. Nächste Woche beginnt am Weidendamm hinter dem Hauptgüterbahnhof der Neubau für die neue Feuerwache der Stadt, die zugleich Werkschutzaufgaben des Reifenspezialisten Continental übernimmt. In einem zweiten Bauabschnitt würde die Stadt auf dem gleichen Grundstück gerne auch die regionsweite Leitstelle der Feuerwehr (Notruf 112) und die Leitstelle der Polizeidirektion Hannover (Notruf 110) zusammenlegen. Ein ähnliches Modell gibt es in Oldenburg, dort musste eigens ein Zweckverband gegründet werden. In Hannover dagegen sollen die Leitstellen eigenständig bleiben, aber von der räumlichen Nähe zueinander profitieren. „Wenn es Großeinsätze gibt, wäre der kurze Weg von Tür zu Tür gut“, sagt der stellvertretende Feuerwehrchef Andreas Witte. Auch könne Technik gemeinsam genutzt werden. Allerdings gibt es den Fortschritt nicht zum Nulltarif. Bislang liegen nur Schätzungen vor, doch die kommen auf Kosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro. Eine Sanierung der bisherigen Regionsleitstelle in der Feuerwehrwache 1 (Glockseestraße) wäre aber langfristig weniger wirtschaftlich, heißt es in einer städtischen Stellungnahme. Das Gebäudemanagement der Stadt empfiehlt daher, am neuen Standort Weidendamm möglichst bald auch die Leitstellen zu konzentrieren. Im eigenen Investitionsetat sei dafür jedoch kein Geld vorhanden. Die Prioritäten der Stadt lägen auf Ausbau von Ganztagsschulen und Kinderbetreuung, Inklusionsbauten und Gebäudemodernisierungen. Deshalb bittet die Verwaltung jetzt die Kommunalpolitiker um Freigabe, die Eignung als Investorenmodell zu prüfen. Bei solch einer sogenannten öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP) plant, baut und finanziert die Stadt nicht selbst, sondern beauftragt einen Investor. Nach Fertigstellung übernimmt die Stadt die Gebäude in den eigenen Bestand und zahlt es wie bei einem Mietkauf ab. Das ist unterm Strich meist etwas teurer, erlaubt aber klammen Kommunen trotz Überschuldung Großprojekte. In Hannover sind etwa die IGS Kronsberg oder die Erweiterung der Bismarckschule nach ÖPP-Modell gebaut worden, derzeit werden acht Kitas auf diese Weise erstellt. Rathaus-Personalchef Harald Härke sagte im Bezirksrat, dass mit dem Personalrat und der Gewerkschaft ver.di noch über das Investorenmodell gesprochen werde. n Wache wird teurer: Auch der erste Bauabschnitt der neuen Wache Weidendamm verteuert sich. Statt rund 10 Millionen Euro wird sie jetzt 11,9 Millionen Euro kosten. Die Baufirmen fordern derzeit höhere Preise als ursprünglich geplant. Anfang Juni wird die Baustelle eingerichtet, im Juli 2014 soll der erste Bauabschnitt fertig sein.

 

Quelle:
Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 29.05.2013